Was ist Resilienz? Wofür brauche ich Resilienz? Wieso schaffen es einige Menschen immer wieder aufzustehen, während andere verzweifeln?


Resilienz bezeichnet die seelische Widerstandskraft, welche es Menschen erlaubt, Krisen zu überwinden und gestärkt aus ihnen hervorzugehen. Damit sind nicht nur schwere Katastrophen gemeint, sondern auch der täglich Stress, der uns zuweilen an den Rand eines Burn-Out bringt. 

 

Was besitzen resiliente Menschen, was andere nicht haben? Wieso gelingt es einigen Mensch viel besser die Widrigkeiten zu überstehen und gestärkt aus ihnen hervorzugehen, wohingegen andere an ihren Problemen verzweifeln? 

 

Zum Glück kann ich dir sagen: Resilienz ist erlernbar! 

 

Zwar sind manche Menschen unter Umständen genetisch begünstigt in puncto Stresstoleranz, aber alle Menschen können ihre Resilienz stärken. Aus Studien wissen Psychologen, das vor allem eine spezielle Geisteshaltung hilft, Krisen zu überwinden: Der Glaube daran, dass menschliche Eigenschaften flexibel sind. Wer von Kindesbeinen an  die Überzeugung hegt, Charaktereigenschaften wie Optimismus, Selbstbewusstsein oder Extrovertiertheit seien angeboren und fix, der geht im späteren Leben schlechter mit Krisensituationen um. Hier sind die Menschen hingegen im Vorteil, die glauben, Eigenschaften und Fähigkeiten seien das Resultat von Training. Sie lehnen unvorhergesehene Situationen nicht von vorneherein ab, sondern fragen sich, wie sie die notwendigen Fähigkeiten zum Bewältigen der Probleme erlernen können. 

 

Welche Eigenschaften hat ein resilienter Mensch?

 

Ein resilienter Mensch besitzt folgenden 7 Eigenschaften, die 7 Säulen der Resilienz:

 

-       Selbstwirksamkeit

-       Optimismus

-       Verantwortung und Gefühlsregulation

-       Soziale Kompetenz und Netzwerkorientierung

-       Akzeptanz der Realität

-       Zukunft und Visionen

-       Kreativität

 

Wie stärke ich die Merkmale an mir? Im folgenden möchte ich dir die 7 Säulen der Resilienz näher erläutern und dir auch praktische Tools mit an die Hand geben, wie du diese Eigenschaften an dir stärken kannst, damit du ein resilienter Mensch wirst und deine Krisen aus eigener Kraft überwindest.


(Quelle: „Resilienz ist erlernbar“, Birgit Eberle, Wolkenhart Marie-Katharina Wölk, 2019)

1. Säule der Resilienz: Selbstwirksamkeit

 

Was ist Selbstwirksamkeit? Selbstwirksamkeit ist die tiefe innere Übezeugung etwas verändern und bewegen zu können. Wer daran glaubt, dass seine eigenen Taten erfolgreich sind und eine direkte Veränderung in seinem Umfeld bewirken, der gewinnt Vertrauen in sich selbst und in seine Fähigkeiten. Selbstwirksame Menschen fühlen sich weniger hilflos und begeben sich daher weniger in die Opferrolle. Menschen mit hoher Selbstwirksamkeitsgewissheit gestalten ihr Leben aktiv selbst, anstatt abzuwarten und nur auf äußere Einflüsse zu reagieren. 

 

Doch wie gelingt es dir, ein Gefühl der Selbstwirksamkeit zu erlangen? 

 

Am ehesten erreichst du dieses Gefühl, wenn du im kleinen in deinem ganz privaten Bereich anfängst. 

 

Denk mal darüber nach, welche Projekte oder Ziele wolltest du im privaten oder im beruflichen Bereich schon immer einmal erreichen, und bist doch immer wieder gescheitert? Abnehmen im neuen Jahr? Eine neue Fremdsprache lernen? Endlich ins Yoga gehen? Wenn du hier scheiterst erlebst du das Gefühl zu versagen. Dies lässt dich an deiner Selbstwirksamkeit zweifeln und du erlebst es als Opfer der Umstände und deines eigenen inneren Schweinehundes. 

Wenn du es allerdings in kleinen Schritten schaffst, an jedem Tag deinem Ziel ein Stückchen näher zu kommen, dann motivieren dich deine kleinen Erfolge und du erhälst kontinuierlich ein positives motivierendes Feedback. Dies steigert dein Selbstwirksamkeitsgefühl und damit schaffst du es besser durchzuhalten. 

 

Überliste dich selbst und fange dein nächstes Vorhaben in ganz kleinen Schritten an . Nimm dir zum Beispiel vor, wenn du schon immer mehr Laufen gehen wolltest, dass du jeden Tag nur 5 Minuten gehst. Diese Zeit ist so lächerlich kurz, dass dir selbst beim gehen auffällt, dass es nun auch nicht mehr schlimm ist noch weitere 10 Minuten zu laufen. Damit überlistest du deinen inneren Schweinehund und so etablierst du Gewohnheiten. Gewohnheitsmäßiges Handeln bringt dann wachsende Selbstwirksamkeit und größere Entspannung. In psychologischen Studien konnte nachgewiesen werden, dass feste Gewohnheiten wesentlich weniger Stress im Handeln erzeugen, als eine nicht alltägliche Aktion. Bis ein Verhalten tatsächlich zur Gewohnheit wird, kann es zwischen 66 und 224 Tagen dauern. Aber es lohnt sich! 

 

Deine Aufgabe ist es nun, mit einer Mikrogewohnheit zu mehr Selbstwirksamkeit:

 

Praktische Übung: 

1.     Welches Projekt wolltest du schon immer einmal in deiner Freizeit angehen? Entscheide dich für ein neues Vorhaben oder eines, bei dem du schon etliche Male gescheitert bist.

2.     Formuliere für dein gewähltes Projekt ein tägliches Maß, das dich beinahe zum Lachen bringt, weil es so gering erscheint. Das können zum Beispiel 10 Minuten Trainigsworkout oder 15 Minuten Lesen sein. 

3.     Nun startest du! Jetzt kommt es darauf an, dass du täglich die geforderte Einheit absolvierst. An einem stressigen Tag, brauchst du nur das minimale Maß absolvieren, aber die Einheit darfst du niemals canceln.

4.     Ziehe nach 2 Wochen ein Zwischenfazit: Wie fühlst du dich? Wie oft wolltest du freiwillig länger lesen/trainieren/... ? Wie gewohnt fühlt sich das Projekt nun schon in deinem Alltag an?

5.     Nun mache weiter und immer weiter, denn erst nach 66 – 224 Tagen ist es eine Gewohnheit...